Das Geestland - Trio Das Geestland - Trio Helga Böwadt

Die erste Lederhose war geliehen

Sonntag, 27 Januar 2019 13:31
geschrieben von Helga Böwadt shz

Schafflund | Ohne Akkordeon geht Anke Henn nicht aus dem Haus – zumindest erweckt das den Eindruck angesichts der vielen Aktivitäten, von denen sie erzählt. Ganz aktuell übt sie mit der Sing-Gruppe des Evangelischen Frauenwerks Lieder aus Slowenien für den Weltgebetstag der Frauen im März. „Wir singen allerdings auch auch die Stücke der vergangenen Jahre, damit sie nicht verloren gehen“, sagt sie.

Aber ihr musikalisches Repertoire ist vielseitig. Etliche Jahre gehörte sie als Instrumentalist in den Shanty-Chören „Fördemöwen“ und „Ellunder Nordlichter“ an, bis sie ihre Heimat beim Silleruper Feuerwehrchor und der „Rentnerband“ fand. Doch damit nicht genug.

Mit ihren Chor-Kollegen Wieland Ahnsel und Holger Johsten tritt die 64-Jährige nun im bayrischen Outfit als „Geestland Trio“ auf. „Anke wollte zuerst nicht, wir mussten mit Engelszungen auf sie einreden und sie quasi auf die Bühne zerren“, erinnert sich Wieland Ahnsel. Knappe Lederhose, karierte Bluse und Highheels – und schon geht beim „Zillertaler Hochzeitsmarsch“ oder mit „Anton aus Tirol“ die Post ab. „Meine Highheels sind inzwischen mein Markenzeichen. Ich habe rund 30 Paar in allen Farbtönen“, erklärt Anke Henn ihren Tick.

Ob Geburtstage, Ehejubiläen, Vereinsveranstaltungen oder Besuche in Altenheimen– das „Geestland Trio“ ist ein Garant für gute Laune, denn neben bayrischen Klängen gibt es immer auch alte Schlager zum Mitsingen zum Besten. Wieland Ahnsel spielt Kontrabass und Gitarre und kann als einziger bayrische Wurzeln aufweisen: „Ich korrigiere, wenn die anderen etwas falsch aussprechen.“

Erst mit über 50 Jahren hat sich der Bootsbauer, der durch die Marine nach Flensburg gekommen ist, entschlossen, Kontrabass zu spielen und Unterricht an der Musikschule zu nehmen – mit Erfolg. „Dann habe ich mir einen Basskoffer gebaut, ein Skateboardrad anmontiert, und nun kann ich wunderbar damit fahren“, erzählt der 68-Jährige. Das ist praktisch, denn auch er ist musikalisch ständig unterwegs: Aktuell in der Band von „Miss Gloria Vain“, früher mit „De Inspringer“ und der „Kapelle ohne Namen“, einmal sogar als Vorgruppe von „Godewind“. Und lange Zeit als Duo mit Anke Henn. „Doch dann suchten wir einen Sänger und haben Holger gefragt – ursprünglich nur für einen Auftritt“, erklärt er die Anfänge des „Geestland Trios“. Die erste Lederhose musste sich Johsten noch von seinem Nachbarn leihen, aber als die Nachfrage nach weiteren Auftritten immer größer wurde, „habe ich mich in Füssen komplett ausgestattet.“ Neben dem Gesang ist der 60-Jährige für die humorvolle Moderation zuständig, wobei ihm die Erfahrung von 20 Jahren Theaterspielen beim Plattdeutschen Ring in Leck natürlich zugute kommt. „Aufhören musste ich dort, als ich in verschiedenen Funktionen für die Feuerwehr zu viel unterwegs war“, erzählt er, immerhin ist er auch noch als Taxifahrer berufstätig. Doch in das musikalische Hobby investieren alle drei viel Freizeit. „Zum Glück machen unsere Familien das mit, sonst ginge das nicht“, meint Holger Johsten. „Meine sieben Enkel nennen mich schon Omanieda“, lacht Anke Henn, denn „ich mache mehr Musik als sonst was.“

– Quelle: https://www.shz.de/22414307 ©2020

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